FSV Kali-Werra Tiefenort – (Rettet das) Stadion im Kaffeetälchen (1926)

Als ich vor Kurzem auf Durchreise war, nahm ich mir die Zeit für einen Stopp. Ziel war das Stadion im Kaffeetälchen vom FSV Kali-Werra Tiefenort. Dieses Stadion mitten im Wald gelegen, hat es mir sofort angetan und lässt jedes Nostalgikerherz höher schlagen. Umso schlimmer, dass es ernsthafte Bestrebungen gibt diesen zauberhaften Ort zu modernisieren.

FSV Kali-Werra Tiefenort- in der DDR zweitklassig unterwegs

Bereits im September 1926 wurde das Waldstadion eröffnet, damals noch als Sportplatz. Nach dem zweiten Weltkrieg spielte die damalige BSG Aktivist Tiefenort in der 3. Liga der DDR. Mitte der 60er erlebte der Verein seine erfolgreichste Zeit, als man beinahe durchgängig bis zur Wende in der zweiten Liga spielte. Der alte Sportplatz reichte nicht mehr aus und so wurde das Stadion im Kaffeetälchen ausgebaut. Zu den Heimspielen gegen Dynamo Dresden und Lokomotive Leipzig pilgerten regelmäßig 8000 Zuschauer hierhin. Nach der Wiedervereinigung nannte man sich dann in FSV Kali-Werra Tiefenort um, weil es mittlerweile erlaubt war wieder bürgerliche Namen zu verwenden.

Bis zur Jahrtausendwende konnte man sich noch in den höheren Verbandsklassen halten, seitdem ging es konstant runter und man kickt heute in der Kreisliga. An sich eine Geschichte, die auf viele Vereine so ähnlich zutrifft. Hier geht es jedoch um mehr. Nämlich um den Verlust der sportkulturellen Identität. Die Stadt Bad Salzungen möchte das Stadion modernisieren.

Noch stehen die finalen Pläne nicht konkret fest, die Stadt hat jedoch schon Planer damit beauftragt mögliche Varianten durchzuspielen. So ist beispielsweise die Rede davon, dass der Rasenplatz durch einen Kunstrasenplatz ersetzt werden soll. Zudem soll noch der nebenliegende Hartplatz weg. Auch wenn gefühlt nur noch Kunstrasenplätze gebaut werden und die Vorteile, gerade bezüglich der Bespielbarkeit, auf der Hand liegen, passt so ein Plastikrasen hier einfach nicht rein.

Schon das Eingangstor mit dem alten Vereinsamen “BSG Aktivist” und dem Blick auf die beiden Tribünen umgeben vom idyllischem Waldpanorama fesseln einen, ohne auch nur einen Schritt hinein gemacht zu haben. Betritt man das Stadion im Kaffeetälchen und nähert sich dem alten Stehwall, dann verliebt man sich zwangsläufig mit jedem Meter mehr. Die im Hang gebaute Tribüne mit ihren Sitzbänken und den rostigen Wellenbrechern erzählt eine Geschichte und wickelt einen mit seinem Charme direkt um den Finger. Hier könnte man Stunden verbringen.

Erhaltet das Stadion im Kaffeetälchen

Wenn man sich ein wenig niederlässt und seinen Blick schweifen lässt, dann merkt man schnell, warum es immer wieder Fußballfans aus ganz Europa anzieht. Der geschichtsträchtige Ort, der mit seinen wunderbar alten und vor allem einzigarten Tribünen Mitten im Wald liegt, packt jeden Fan mehr als die modernen und sterilen Funktionsbauten. Es ist der unverkennbare Charakter und Charme irgendwo in Thüringen, der das Stadion im Kaffeetälchen schlichtweg zu einem fußballerischen Sehnsuchtsort macht.

Es bleibt zu hoffen, dass die Stadt die Weitsicht besitzt eine kluge Entscheidung zu treffen. Wenn man die Beiträge in den sozialen Medien verfolgt, dann kann der Kunstrasenplatz auch auf dem alten Hartplatz gebaut werden. Und auch, wenn die Instandhaltung der Tribünen viel Zeit und Geld kostet, sollte man alles erdenkliche daran setzen, diese Schönheit zu erhalten. Der Verein und auch die ganzen Fans, die nur für das Stadion im Kaffeetälchen überhaupt den Weg in Richtung Bad Salzungen finden, werden es danken.

Das Stadion im Kaffeetälchen ist nicht die junge Geliebte, die man mit Schönheitsoperationen wieder herrichten kann. Es ist viel mehr die Großmutter zu der man gerne fährt und die ihre Geschichten erzählt.

Man kann nur hoffen, dass der Ball bald wieder rollt und man noch lange Zeit hat hier zum Fussball zu gehen – nicht nur als Fan vom FSV Kali-Werra Tiefenort. Erhaltet das Stadion im Kaffeetälchen!

Übrigens gibt es noch eine schöne Kurzreportage zum Stadion im Kaffeetälchen und den FSV Kali-Werra Tiefenort im MDR

Einige traditionsreiche Stadien und Plätze sind leider von der Landkarte verschwunden

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